|
Beten nach Teresa von Avila
Das innere Beten steht bei Teresa nicht – wie allgemein angenommen – für eine bestimmte, dann sogenannte höhere
Gebetsstufe, sondern im weitesten Sinne für die innere Haltung, die jedes Gebet – ob mündlich oder nur im Herzen –
begleiten sollte, nämlich für die Aufmerksamkeit auf das verborgen gegenwärtige Du Gottes und die personale Hinwendung
zu ihm, die sie unter dem Begriff Freundschaft fasst. So betrachtet, beschränkt sich das innere Beten nicht auf
bestimmte Gebetsstunden oder Übungen, sondern durchdringt den ganzen Alltag. Im engeren Sinn meint inneres Beten vor
allem das persönliche stille Gebet bzw. das meditative Verweilen in der Gegenwart Gottes. Der Weg des inneren Betens ist
ein langer Weg der bewussten Hinwendung zu Gott, auf dem anfangs das betende Bemühen des Menschen vorherrscht, der aber
im Normalfall immer mehr in die Kontemplation einmündet, bei der der Beter zum schweigenden Empfänger der
Selbstmitteilung Gottes wird.
(zitiert nach: Teresa von Avila: Das Buch der Gründungen, Anhang I, S. 466 - 467).
Gebet nach Johannes vom Kreuz
Gebet ist die allgemeine Bezeichnung für die bewusste Kontaktnahme des Menschen mit Gott, die für Johannes vom Kreuz
Ausdruck einer wachsenden Liebesbeziehung zwischen beiden ist. Der Gebetsweg ist ein langer Prozess der sich immer mehr
vertiefenden Liebeseinung mit Gott, der im Normalfall über die Meditation zur Kontemplation führt. Dabei tritt die
Leistung des Menschen immer mehr zurück zugunsten des Wirkens Gottes in ihm. Kern des Gebetes sind die gottgewirkten
Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, die den Menschen nach und nach Gott gleichgestalten.
(zitiert aus: Johannes vom Kreuz: Aufstieg auf den Berg Karmel, Anhang, S. 476).
Meditation und Kontemplation
|